Momente der Achtsamkeit

– Ein Erlebnisbericht –

„Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken“
Novalis

Ein großartiger Satz aus einem Liedtext der Band Novalis!

Für mich beschreibt er einen tatsächlich gelebten Moment, mit all den Facetten, die er gerade zu bieten hat. 
Die Welt scheint sich ein bisschen langsamer zu drehen und kurz innezuhalten.

Um diesem Lebensgefühl ein wenig näher zu kommen, führte mich eine Reise zum Achtsamkeitsseminar mit Johanna Katzera (einfachachtsam.de) nach Sylt. 

Als die Bahn über den Hindenburgdamm fuhr, plätscherte rechts und links nur noch die Nordsee.
Mein Blick schweifte über das Meer bis zum Horizont und zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht. 

Ich freute mich auf diese Auszeit vom Alltag mit all seinen Gleichzeitigkeiten und es fühlte sich schon jetzt sehr gut an. 


Das Klappholttal mit der Akademie am Meer zwischen Kampen und List war ein besonderer Ort. Von Weitem wirkte es wie ein eigenes, kleines Dorf. Verwaltungsgebäude, Seminarräume und Unterkünfte schienen wie zufällig in die Dünen gestreut und verschmolzen harmonisch mit der Natur. Sie hatten Namen wie Seepferdchen, Herzmuschel, Nordpol oder Sternwarte. 

Es duftete nach Heckenrosen und salziger Meeresluft, als ich mit meinem Koffer die schmalen Wege entlang ging. 

Für die nächsten Tage war die Unterkunft „Triton“ mein Zuhause. Beim Blick aus dem Fenster konnte ich hinter den Dünen das Meer erahnen. Wolken wie Wattebäusche zogen vorbei und das Dünengras raschelte leise im Wind. Zauberhaft. 

Dusche und Toilette befanden sich sozusagen „außen rum“, ein kleines Stück weiter die Düne hinauf.
Eine frische Brise also auf allen Wegen und nachts unter einem großartigen Sternenhimmel hindurch, den ich andernfalls so gar nicht wahrgenommen hätte. 

Der erste Abend begann mit einer Kennenlernrunde und ich war sehr froh, dass meine Bedenken unbegründet waren. Hier saßen zwölf Menschen, die sehr viel Sympathie, Offenheit und Lust auf eine gemeinsame Zeit ausstrahlten. 

Der direkte Weg zum Meer führte über eine große Holzbrücke. Vor dem Frühstück stiegen wir gespannt die vielen Stufen hinauf, liefen ein Stück auf den Holzbohlen über die Düne und standen vor einer atemberaubenden Kulisse. 

Wie ein riesiger Teppich breitete sich die Nordsee vor uns aus und der Wind wehte den letzten Schlaf aus dem Gesicht.  

Jeder Morgen hatte seine ganz eigene Stimmung.

Das Meer zeigte sich schimmernd, strahlend oder auch düster in unzähligem Blaugrau – manchmal mit weißen Schaumkronen dekoriert.
Von leicht wellig bis stürmisch und tobend rauschten die Wellen unermüdlich und verlässlich an den Strand. 
Der weite Himmel war mal blau strahlend, weiß getupft, stahlgrau oder weißneblig, aber immer unendlich.
Das Universum zeigte uns in dieser Woche all seine Facetten. 


Mit Meer, Strand und Himmel an unserer Seite starteten wir achtsam in den Tag. Während wir bewusst atmeten und ein paar Dehn- und Lockerungsübungen absolvierten, drehten ein paar Möwen ihre Runden über unseren Köpfen begrüßten uns kreischend.

Unsere Gruppe war ein bunter Mix aus einzigartigen Menschen und ihren Geschichten.

Am ersten Tag ging es schon um existenzielle Fragen: 
Was brauche ich, damit es mir gut geht?
Was nimmt mir die Kraft?
Wo in meinem Leben stehe ich?
Welche losen Fäden gibt es?
Was ist mein persönlicher Wunsch an diese Woche?



Gemeinsam näherten wir uns den Themen an den Nachmittagen. Wir sprachen über Stressbewältigung, mentale Gesundheit, digitale Balance und eine achtsame Haltung.

Viele Geschichten und Beiträge der Teilnehmer bereicherten den theoretischen Teil, der von Johanna kurzweilig und lebendig geleitet wurde.

Wir hörten einander zu, konnten gemeinsam schweigen und fokussierten uns auf eine bewusste Atmung.

Nach kurzer Zeit wurden aus Fremden Vertraute, mit denen ich mich wohlfühlte und die mich inspirierten.

An den Vormittagen erwanderten wir uns die Insel. Sylts Natur ist einzigartig, gewaltig und wunderschön.

Was nahm ich bewusst wahr? 

Wir standen an der Wattseite der Insel. Mein Blick war auf das leise glucksende Meer gerichtet:

Es glitzerte in der Sonne, als würde es Sterne regnen.

Das Blau des Himmels spiegelte sich im Meer, und die Landschaft sah aus wie in Pastellfarben gemalt. Es war eine ruhige, fast magische Atmosphäre.

„Wenn ich hier stehe und beobachte, dann stehe ich hier und beobachte.“

Nichts anderes war gerade wichtig oder wurde von mir verlangt.
Eine Pause zwischen zwei Gedanken.
Wahrnehmen, ohne zu bewerten. 
Wir haben immer nur diesen einen Augenblick, denn es ist immer nur hier und heute und jetzt. 

Vielleicht ist das die berühmte „Leichtigkeit des Seins“?
Ja, so konnte sie sich anfühlen. 

Jeden Tag war ein bisschen mehr Gelassenheit spürbar, und die Nächte waren so ruhig wie nirgends sonst in meiner Welt.

Allein der Wind, das Meer und die Möwen waren zu hören.  Bei offenem Fenster und guter Seeluft schlief ich tief und erholsam.

Die Akademie am Meer war ein Kosmos für sich.

Die Menschen hier schienen alle eine Sehnsucht nach Meer und Mehr zu haben. 
Wir trafen uns auf den idyllischen Wegen zwischen den Häuschen, und wünschten uns lächelnd ein norddeutsches „Moin“ – manchmal auch im Nachtdress mit dem Kulturbeutel unter dem Arm auf dem Weg zur nächsten Dusche oder zum Strand. 

Abends war von irgendwoher Gesang oder Musik zu hören. In erleuchteten Seminarräumen saßen kreative Maler oder Gruppen von Menschen ins Gespräch vertieft.
Im Ahlborn-Saal gab es eine Ausstellung mit Fotografien eines Workshops. In einem anderen Raum sah man durch die Fenster nur Beine, die sich langsam bewegten – der Yogakurs. 

Alle und alles hier schien miteinander verbunden zu sein.


Was für eine Woche!
Ich hatte mich verliebt. Immer wieder neu in diese Insel, das Meer, die gute Nordseeluft und die achtsamen Perspektiven des alltäglichen Daseins. 

Ich war Sonnenuntergangssammlerin,
Sandspurenverursacherin und Seesternretterin, Himmelsguckerin und Wolkendeuterin, Gedankentexterin und Wortschöpferin, Muschelsammlerin und Wellenfängerin, Sandkornzählerin, Meerblickerin und Mehrsucherin.

Und es gab Momente, in denen ich das Gefühl hatte, „jetzt höre ich sie lachen, die Schmetterlinge“.

Zuversichtlich und sehr dankbar für eine inspirierende Zeit mit spannenden Seminarinhalten und Impulsen, neu gewonnenen Freundschaften und achtsamen Blickwinkeln, trat ich die Heimreise an.
Es ist immer „Jetzt“!