
Ein Spaziergang durch Helsinki
Der Wecker klingelte um 5:00 Uhr und wir waren bereit für Helsinki.
Pling! Um 05:12 Uhr erreichte uns eine neue E-Mail.
Die Airline teilte uns mit, dass der gebuchte Flug leider gestrichen wurde und wir nun ab 16.00 Uhr mit Umstieg über Hamburg nach Helsinki fliegen werden.
Nach einer halben Stunde konzentriertem Bestätigungsprozedere, kleinen Unmutsausbrüchen und dem erneuten Online-Check-in eilten wir wieder ins Bett.
Als wir am Nachmittag am Frankfurter Flughafen unser Gepäck eincheckten, hegte ich berechtigte Zweifel, ob es auch tatsächlich ankommen würde. Die Mitarbeiterin, die über alle „Selbstgepäckabfertiger“ wachte, war zuversichtlich:
„Na klar, das funktioniert, steht doch auch drauf: Über Hamburg nach Helsinki!“
Sechs Stunden später, es war inzwischen 21:30 Uhr Ortszeit, standen wir wartend am Gepäckband. Eine Handvoll Menschen verfolgte mit uns, wie das bereits leere Band langsamer wurde und schließlich stehen blieb.
Eine junge Frau, die einen AirTag in ihrem Koffer hatte, war sich sicher, dass das Gepäck aller umgebuchten Passagiere noch in Hamburg war. Na, dann war das ja schon mal geklärt.
Die halbstündige Zugfahrt ins Zentrum war ohne Koffer im Schlepptau auch viel entspannter.
Eins muss man den Finnen lassen: Sie sind wirklich gut organisiert. Das Online-Formular der Airline für die Verlustmeldung war intuitiv auszufüllen und im Handumdrehen versendet.
Mal sehen, was wird …!
Später schlenderten wir hungrig zu Hesburger, die finnische Antwort auf MacDonald´s, bei dem es laut unserer Tochter die besten vegetarischen Hamburger überhaupt gibt.



Die Nacht war spätsommerlich warm, wir saßen in einem Park, aßen Soja-Sticks und Veggie-Burger und kamen langsam in Helsinki an.
Was wir bei Nacht und sehr müde sehen konnten, war schon vielversprechend.
Am nächsten Morgen waren wir schnell bereit für neue Abenteuer.
Unsere Auswahl an Kleidung war ja aktuell noch sehr übersichtlich.
Die Sonne begleitete uns durch die Esplanadi, dem zentralen Park in Helsinki und die Flaniermeile der Finnen. Mittendrin steht die Statue des berühmten Schriftstellers Johan Ludvig Runeberg, der unter anderem den Text der finnischen Nationalhymne schrieb. Im Sommer gibt es hier viele Veranstaltungen, kleine Konzerte und Modeschauen.
Einheimische und Touristen vermischten sich und manchmal schnappten wir ein paar finnische Sprachfetzen auf.
Eine seltsame Sprache, das Finnische.
Es gibt jede Menge Vokale in einem Wort, häufig enden sie mit „i“ und klingen ein bisschen niedlich. Salatii und Viini. Salat und Wein, ja logisch, das konnte ich gerade noch erahnen. Aber meistens verstand ich keine einzige Silbe. „Minä en puhu suomea“. Spannend.
Alles war hübsch. Wirklich alles!
Helsinki ist Großstadt und doch nicht groß. Mit ihren ca. 660.000 Einwohnern wirkt sie heimelig. Es gibt viel Kopfsteinpflaster und viele Straßenbahnen ohne Werbebanner, die irgendwie Charakter haben und sich elegant durch den Verkehr schlängeln. Die Autos ordnen sich unter und scheinen hier gar nicht so störend wie in deutschen Großstädten.
Wie ein einziges historisches Museum reihen sich die Gebäude rund herum auf. Jedes ein Unikat und sehenswert.
Und dann hatten wir Meerblick. Der Marktplatz am Hafen bot Obst, Gemüse, Andenken, Kleidung und viele, kleine Gerichte zum Mitnehmen an. Von hier starten auch einige Fähren auf die kleinen Inseln rund um Helsinki.
Die angrenzende Markthalle war gut besucht: Es gab Kunsthandwerk, Lebensmittel oder einfach das aktuelle Mittagessen.
Wir entschieden uns für eine sehr leckere Lachssuppe mit Brot und beobachteten das quirlige Treiben um uns herum.
Am Riesenrad vorbei erreichten wir die Uspenski Cathedral, die größte, orthodoxe Kirche in Nordeuropa. Es glänzte und glitzerte. Der Backsteinbau ist mit 13 goldene Kuppeln gekrönt und auch der Innenraum ist prächtig ausgestattet.
Als wir durch Katajakaokka (Halbinsel) schlenderten, war das Meer ganz nah. Eine unerwartete Oase der Ruhe im städtischen Trubel.
Auch kulinarisch hat Finnland einiges zu bieten
Am Nachmittag lockte das Café Fazer mit einer großartigen Auswahl an Kuchen, herzhaften Kleinigkeiten und einem unerschöpflichen Kaffeeangebot. Die riesigen Schüsseln mit Schokoladenbonbons zum Selbstzusammenstellen konnten wir nicht ignorieren und kauften eine Erinnerungsauswahl für zuhause.



Unsere Koffer erreichten uns am zweiten Morgen gegen 07.00 Uhr und kündigten sich durch das Hoteltelefon an. Begeistert eilte ich zur Rezeption und freute mich über ein anderes Tagesoutfit.
Wir waren bereit für neue Erlebnisse:
Die Zentralbibliothek Oodi (übersetzt: die Ode), die sich direkt gegenüber dem Parlamentsgebäude befindet, ist ein Treffpunkt für alle und beeindruckte schon von Weitem.



Auf einer Tafel im ersten Stock kann man folgendes lesen (übersetzt):
„Jeder hat das Recht, in der Bibliothek zu sein.
Herumhängen ist erlaubt, ja sogar erwünscht.
Rassismus und Diskriminierung haben in dieser Bibliothek keinen Platz.
Oodi ist unser gemeinsames Wohnzimmer.“
So ist es im Oodi möglich, neben der klassischen Buchausleihe, Nähmaschinen zu leihen, ein Musikstudio zu mieten, 3D-Drucker auszuprobieren, Bastel- und Elektroniklabore oder viele kleine Räume als Coworking Spaces zu nutzen.
Es gibt gemütliche Leseecken und einen großen Spielplatz.
Fast wie daheim im Wohnzimmer! Nicht nur bei Regen unbedingt zu empfehlen.
Der nächste Stopp auf unserer Tour war die Felsenkirche (Temppeliaukionkirkko), ein interessantes Bauwerk, das zum großen Teil unterirdisch liegt und aus einem Granitfelsen gesprengt wurde. Nur das Glaskuppeldach ist überirdisch und lässt Tageslicht herein.
Sie gilt als herausragendes Beispiel finnischer Architektur der 60er Jahre und hat eine unglaubliche Akustik.
Wir waren inzwischen im Stadtteil Tölöö angekommen. Duch den größten Friedhof von Helsinki, den Hietaniemi gelangt man direkt an den gleichnamigen Strand.



Auf dem Weg am Meer entlang lohnt sich ein Besuch im Regatta, einem kleinen rotgestrichenen Café-Häuschen. Mit leckeren Zimtschnecken und Blaubeerkuchen saßen wir in einem gemütlichen Garten und genossen den Meerblick.
Kurz darauf standen wir vor dem Sibelius Denkmal, das ein unbedingtes Muss für meine musikalischen Mitreisenden war.
Die Bildhauerin Eila Hiltunen schuf 1967 diese Sehenswürdigkeit zu Ehren des Komponisten Jean Sibelius.
Es symbolisiert ein Orgelpfeifendesign, das aus fast 600 Stahlröhren besteht und ist damit ein außergewöhnliches Fotomotiv.
Der Rückweg führte uns am Tölöö-See vorbei und durch den Botanischen Garten der Universität.
Das „grüne Juwel“ mitten in der Stadt wird von Sportbegeisterten genauso genutzt wie von Spaziergängern, die dort ihre Picknickkörbe auspacken. Und überall findet man liebevoll gestaltete Cafés, die mit ihren Leckereien zum Verweilen einladen.
Unser Abendessen genossen wir im Restaurant Löylö am Meer. Als es dunkler wurde veranstaltete jemand am gegenüberliegenden Ufer ein Feuerwerk. Wir hatten den besten Ausblick und einen wunderbaren Tagesabschluss.
Am nächsten Morgen ließen wir uns einfach durch die Stadt treiben. Wir spazierten über den Senatsplatz und bewunderten den Dom, der leider an diesem Tag geschlossen war, doch auch der äußere Eindruck war schon gewaltig und pompös.
Direkt nebenan befindet sich die Finnische Nationalbibliothek, die wichtigste wissenschaftliche Bibliothek Finnlands. Wir bewunderten hohe, verzierte Gewölbedecken, Kronleuchter und eine Rotunde mit sechs Stockwerken, die oben in einer wunderschönen Kuppel enden.
Es war still und beeindruckend.
Nachmittags besuchten wir das „Bürgerhaus“ (Ruiskumestarin Talo), ein Museum, das die Wohnsituationen der Finnen von damals zeigt.
An diesem Tag gab es ein kleines Konzert mit zwei Gitarren und einer Violine.
Wir verbrachten eine kurzweilige Stunde in fast privater Atmosphäre und lauschten der Musik.



Im Restaurant Savotta, direkt gegenüber dem Dom gab am Ende des Tages „Weißen Fisch“, Spinatkartoffelbrei, Blumenkohl und Elch – also typische, finnische Gerichte.
Das Ambiente ist urig und sehr gemütlich und das Essen war köstlich.
Am Abend fand in ganz Helsinki die „Nacht der Künste“ statt, alle Museen durften kostenlos besucht werden.
Wir entschieden uns für das Design-Museum und das Amos-Rex-Museum.
Letzteres ist ein Museum für zeitgenössische Kunst und allein das Gebäude ist beeindruckend.
Man betritt es ebenerdig, aber die Ausstellung befindet sich komplett unter der Erde. Stahlbetonkuppeln bringen Licht ins Innere.
Oberhalb gibt es einen Glaspalast mit Cafés, Restaurants und Geschäften.
Der öffentliche Platz mit den Betonkuppeln wird zum Skaten und Relaxen genutzt und ist mit überlebensgroßen Skulpturen des Künstlers Kim Simonssen geschmückt.
Seine „Moos-Giants“ stammen noch von einer Ausstellung aus dem Jahr 2024 und erinnern an Figuren aus traditionellen Sagen und Märchen.



Also in jeglicher Hinsicht ein architektonisches Highlight und eine interessante und moderne Ausstellung im Amos-Rex.
Ein Besuch auf Suomenlinna durfte nicht fehlen
Suomenlinna bedeutet Finneninsel und ist seit 1991 Weltkulturerbe.
Die Fährfahrt ab dem Hafen dauerte etwa 15 Minuten und kostete ca. €3,-.
Die kleine Insel, die eigentlich aus 4 Inselchen besteht und mit Brücken verbunden ist, bietet viele unterschiedliche Museen und eine beachtliche Anzahl an Cafés und Restaurants.



Wir unternahmen einen ausgiebigen Inselrundgang und kehrten im Restaurant „Adlerfelt“ ein.
In einem kleinen Hof zwischen den 250 Jahre alten Gebäuden genossen wir ein sehr leckeres, finnisches Abendessen mit regionalen Zutaten.
Ein Spaziergang am Meer entlang führte uns zurück zum Fähranleger. Die Sonne verschwand langsam am Horizont und tauchte die Welt in ein friedliches, orangerosa-farbenes Licht.
Wieder einmal waren wir überrascht, wie schnell Ruhe und Entspannung so greifbar nah am Großstadtgetümmel sein können.
Vom Meer aus betrachtet und bei Sonnenuntergang hatten wir noch einmal einen beeindruckenden Blick auf Helsinkis Silhouette.
Wer einen Blick auf Helsinki von weit oben genießen möchte, ist auf der Dachterrasse des Hotel Clarion genau richtig.
Bei einem kühlem Getränk tun sich noch einmal ganz neue Perspektiven auf.
Nicht weit von dort lässt sich der Sonnenuntergang auch im „Lapinlahden Lähde“, einem begrünten Areal mit Kulturzentrum mit Blick über das Meer beobachten.
Helsinki – auf jeden Fall eine Reise wert!
Für mich ist es eine absolut sehenswerte und vielfältige Stadt, die Entspannung bietet, Kultur bereithält und gleichzeitig historisch und modern ist.







